Dolmetscherin mit Kronzeuge liiert: Entlassen!

Einer der wohl größten Suchtgift-Fälle Salzburgs wird nächste Woche zum Prozess-Thema: die Captagon-Mafia. Doch nur Tage vor dem Start hat die Justiz die Dolmetscherin rausgeworfen. Grund: Sie liebt den Kronzeugen.

„Skandal“, sagt Anwalt Kurt Jelinek, Verteidiger von vier Angeklagten im groß angelegten Captagon-Prozess. Er spricht von Befangenheit. Wegen einer Liebesbeziehung. Ausgerechnet jene Frau, die im Auftrag der Ermittlungsbehörden Tausende Seiten an Telefonüberwachungsprotokollen und etliche Verhöre vor allem des Kronzeugen ins Deutsche übersetzt hat, ist jetzt aus der Dolmetscher-Liste gestrichen worden. Weil sie, wie Jelinek sagt, mit dem Kronzeugen der Anklage zusammen ist. „Er ist sogar bei ihr offiziell angestellt“, wundert sich der Anwalt. Das Paar dürfte sich sogar durch den Kriminalfall erst lieben gelernt haben.

(Bild: Markus Tschepp)

Deswegen wird sie nicht am Prozess teilnehmen, wie Sprecher Peter Egger erklärt: „Die Dolmetscherin wurde am 2. Dezember durch den Präsidenten des Landesgerichtes aus der Dolmetscherliste gestrichen. Vom Kronzeugen wird sich der Schöffensenat in der Hauptverhandlung, unter Beiziehung eines anderen Dolmetschers, ein persönliches Bild verschaffen.“

14 Angeklagte und zehn Millionen Captagon-Pillen
Letztlich muss das Gericht entscheiden. Jelinek zeigt aber auf: „Sechs von acht Einvernahmen sind von dieser Frau übersetzt worden. Sechs Beschuldigte sitzen nur aufgrund der Aussagen des Kronzeugen in U-Haft. Drogen sind nämlich keine sichergestellt worden, es gibt keinen einzigen Abnehmer.“

 

Der Österreichische Verband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher (ÖVGD) ortet rechtsstaatliche Probleme, wenn „nicht zertifizierte, teilweise unqualifizierte Dolmetscherinnen und Dolmetscher“ verstärkt eingesetzt werden. Der ÖVGD forderte am Freitag, es sei höchste Zeit, „diesen jahrelangen Missstand abzustellen“.

Digitales „Dolmetscher:innen-Tool“ im Entstehen
Das Justizministerium stellte dazu am Freitagabend auf APA-Anfrage fest, dass „vorrangig“ in die Gerichtsdolmetscherliste eingetragene Personen zu Dolmetschern bestellt werden. Der Justiz - den Gerichten, den Staatsanwaltschaften und dem Ministerium seien „die Vorteile und Vorzüge [...] von allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher:innen bewusst“. Allerdings müsse „in manchen Fällen auf Übersetzungsbüros zurückgegriffen werden“. Das Justizministerium versicherte allerdings, man arbeite „intensiv an einem digitalen Dolmetscher:innen-Tool, um eine einfachere Bestellung von gerichtlich zertifizierten Dolmetscher:innen - auch in kurzfristigen Fällen - zu ermöglichen“.

Am Dienstag beginnt der Prozess gegen die Captagon-Mafia: 14 Angeklagte müssen sich dem Vorwurf des Suchtgifthandels stellen. Es geht um den Verkauf von zehn Millionen Captagon-Tabletten um 40 Millionen Euro. Und um eine Pizzeria im Flachgau, die als Drehscheibe des Drogenhandels diente.

 

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