Undercover-Polizist wurde bei Drogendeal ausgetrickst

Die Causa ist für das Innenministerium und wohl auch für Salzburgs Kriminalpolizei peinlich: Am kommenden Mittwoch findet am Landesgericht ein Prozess statt, in dem es nicht nur darum geht, dass mutmaßliche albanische Kriminelle einem verdeckten Ermittler des Innenministeriums bei einem Scheinankauf gleich sieben Kilogramm Heroin verkau­fen wollten. Besonders pikant ist, dass einer der Albaner dem Undercover-Polizisten das als Kaufpreis für den „Stoff" vereinbarte Geld abluchsen konnte. Immerhin 102.000 Euro an Steuergeld. Und alles andere als ein Ruhmesblatt ist auch, dass von den 102.000 Euro bis heute jede Spur fehlt. Und dass der mutmaßliche Dieb zwar bekannt ist, aber bis heute nicht gefasst werden konnte.

Während sein namentlich bekannter Komplize also unterge­taucht ist, steht am Mittwoch nur der Albaner Oltjon B. (26) vor Gericht. Vorwurf der Staatsanwalt­schaft Salzburg: Verbrechen des Suchtgifthandels sowie schwerer Diebstahl als Beteiligter - beides verübt im Rahmen einer kriminellen Vereinigung. Martina Pfarrkirchner, Sprecherin des Landesgerichts, entnahm am Freitag auf SN-Anfrage der Anklage Folgendes: Oltjon B. hatte am 13. November 2015 dem vermeintlich potenten Käufer - in Wirklichkeit ein verdeckter Ermittler - bei einem Treffen in Wals-Himmelreich sieben Kilogramm Heroin zum Kaufpreis von 102.000 Euro angeboten. Der verdeckte Ermittler hatte dann auch mit einer weiteren Per­son aus dem Dunstkreis des Ange­klagten Kontakt.

Rund fünf Wochen später, am 18. Dezember um 18 Uhr, sollte bei ei­nem Fast-Food-Restaurant in Eugendorf das Drogen(schein)geschäft abgewickelt werden. Bei diesem Treffen erschien aber nicht nur Oltjon B., sondern auch ein bis dahin dem Ermittler nicht bekannter zweiter mutmaßlicher Komplize des Angeklagten.

Gerichtssprecherin Martina Pfarrkirchner: ,,Während der Angeklagte in der Nähe wartete, hat dann diese Person die Verhandlungen übernommen - auf Englisch. Der Mann stieg zum verdeckten Ermittler ins Auto und begutachtete das von diesem mitgeführte Geld. Er prüfte es auch mit einem UV-Stift auf die Echtheit, wobei die Geldbündel laut Anklage auf seinem Oberschenkel lagen. "Plötzlich, so heißt es in der Anklageschrift, versetzte der besagte Komplize dem verdeckten Ermittler einen Stoß gegen den Oberkörper, schnappte sich das Geld und flüchtete in Richtung Westautobahn.

Während der damals ebenfalls ge­flüchtete Angeklagte später ver­haftet werden konnte, tauchte der Komplize bis heute erfolgreich unter. Dies ist umso bemerkenswerter, da ja von der Polizei eingefädelte Drogengeschäfte bekanntlich massiv überwacht wer­den. Der Schöffenprozess gegen Oltjon B. wird von Richter Christian Hochhauser geleitet. Ob die sieben Kilogramm Heroin ebenso verschwunden sind wie das Geld - darüber wurde vorerst nichts bekannt.

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