Fortsetzung im Prozess um den Salzburger Lungenfacharzt Helmut Wihan: Der frühere Mediziner steht wegen Mordes vor Gericht. Er soll einer Frau eine tödliche Injektion verabreicht haben. „Es war Sterbehilfe!“, sagt er. 15 Zeugen wurden gehört, darunter eine Haushälterin und der Sohn des Opfers.
War es Mord oder Tötung auf Verlangen? Dieser Frage versuchte am Donnerstag das Geschworenengericht am Landesgericht Salzburg weiter nachzugehen.
Wie berichtet, war Wihan bei Winifred Wieser-Sigl (70) im Jahr 2006 in ihrem Haus in Salzburg, als sie an einer tödlichen Injektion starb. Wihan gibt zu: „Ja, ich habe ihr eine Spritze mit Morphium gegeben und damit aktiv Sterbehilfe geleistet. Aber es war ihr Wunsch – ich bin kein Mörder!“
Der Angeklagte sorgte zu Beginn der zweiten Verhandlungsrunde gleich für eine Überraschung: Statt seines bisherigen Anwalts Utho Hosp verteidigt ihn nun Peter Cardona – ein Schulfreund Wihans. „Wir kennen uns seit 50 Jahren, haben gemeinsam maturiert“, so Cardona, der seinen Mandanten mit „Helmut“ ansprach.
Die Zeugenbefragungen drehten sich vorrangig um eine zentrale Frage: War Wieser-Sigl in der (psychischen) Verfassung, einen eigenen Sterbewillen zu fassen? Staatsanwältin Elvira Gonschorowski-Zehetner meint: „Nein“ – daher auch die Mordanklage.
Die Aussagen der Weggefährten Wieser-Sigls fielen sehr unterschiedlich aus:
Haushälterin Hildegard H. (60), die 27 Jahre lang für die „Chefin“ tätig war: „Sie nahm viele Medikamente. Am Tag vor ihrem Tod wirkte sie nervös, aber von sterben wollen sagte sie nichts.“
Der einzige Sohn, Friedrich S. (40), der seit 2003 in den USA lebt: „Ihr Zustand war entsprechend einer 70-Jährigen. Sie war krank, hatte einen geistigen Abbau. Dass sie nicht mehr kann, hat sie schon erwähnt, als ich 17 war – und dann immer wieder. Aber es gab keinen Hinweis, dass sie das irgendwie ernst meinte.“
Clemens A. (29), nicht verwandt, aber durch seinen Vater mit ihr bekannt („Tante Winni“): „Sie war für mich geistig bis zum Schluss sehr rege. Rückblickend war für mich klar, dass sie selbst bestimmen würde, wie und wann sie stirbt...“
Bestatter Konrad L. schilderte: „Ja, Frau Wieser-Sigl hat sich erkundigt, wie viel eine Beerdigung oder eine Überführung von Genf nach Salzburg kostet.“ Genf – weil sie sich offenbar über eine mögliche Sterbebegleitung in der Schweiz informiert haben soll.
Der Prozess wird am 16. Dezember fortgesetzt. Dann erläutert Peter Hofmann, Psychiater der Universität Graz, sein psychologisches Gutachten über Wieser-Sigl. Das Urteil soll am 17. Dezember folgen.
Helmut Wihan (67)
Helmut Wihan, geboren in Znaim (Tschechien), ist ein Mann mit vielen Gesichtern. Seine Karriere als Lungenfacharzt war beispiellos („Ich wollte den Nobelpreis“), geriet aber wegen seiner Äußerungen mehrfach in Kritik. So 1995, als er 20 Frauen bei Untersuchungen unsittlich berührt haben soll („ein Missverständnis“) oder 2002, als er nach dem Legionellen-Tod eines Kurgastes in Bad Vigaun meinte: „Der Tod gehört zum Leben.“
Umgekehrt organisierte er während des Jugoslawien-Krieges Hilfsaktionen, verteilte selbst Medikamente und Nahrungsmittel in Bosnien, war zudem engagierter Umweltaktivist und Anti-Atom-Kämpfer.
Krone.at
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