Drogenprozess: Protokolle werden überprüft

Im größten Drogenprozess des Jahres muss die gesamte arabisch-sprachige Telefonüberwachung neu übersetzt werden. Das entschied die zuständige Richterin. Die Verteidiger kritisierten, dass eine der Dolmetscherinnen die Freundin des Kronzeugen sei.

Für den Drogenprozess um 14 Millionen Aufputsch-Tabletten in Bürmoos (Flachgau) hat die Hauptdolmetscherin über drei Jahre hinweg, sämtliche Vernehmungs- und Telefonüberwachungsprotokolle übersetzt. Die Dolmetscherin soll zum Ärgernis der Verteidiger seit Juni 2019 mit dem Kronzeugen heimlich liiert gewesen sein. Wegen der intimen Beziehung der Dolmetscherin zu dem Kronzeugen haben Verteidiger die Frau als befangen erklärt. „Alles, was sie übersetzt hat, ist mit Nichtigkeit bedroht“, sagte etwa Rechtsanwalt Leopold Hirsch.

Gespräche teils stark verkürzt

Die Dolmetscherin und Freundin des irakischen Kronzeugen habe laut Verteidigern zum Beispiel aus einem Neun-Minuten-Gespräch vier Zeilen gemacht. „Was wurde weggelassen? Was verschwiegen, was geschönt, um vielleicht ihren Freund zu schützen? Alles, wirklich alles, müsse zurück an den Start“, sagt Verteidiger Kurt Jelinek. „Ich bin dann zufrieden, wenn alles neu übersetzt wird. Auch die Beschuldigteneinvernahmen und Telefonüberwachungsprotokolle, die von dieser Dolmetscherin übersetzt worden sind“, so Jelinek. Denn auch noch die zwei Schwestern der Dolmetscherin waren als Übersetzer in diesen Ermittlungen eingesetzt.

Prozess wird teurer und länger dauern

Die Staatsanwaltschaft betonte erneut, zu spät vom Naheverhältnis zwischen Kronzeugen und Dolmetscherin erfahren zu haben. „Wir hatten keine Möglichkeit in irgendeiner Art und Weise im Ermittlungsverfahren zu reagieren. Die Staatsanwaltschaft ist der Objektivität verpflichtet. Wenn sich die Zweifel an der Richtigkeit der Übersetzungen nicht anders ausräumen lassen, dann sind die Protokolle selbstredend von einem anderen Dolmetscher zu übersetzen“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Elena Haslinger.

Der Prozess wird dadurch jedenfalls massiv verzögert und verteuert, denn gerichtlich beeidete Arabisch-Dolmetscher sind österreichweit kaum zu bekommen. Das avisierte Urteil Ende Jänner wird wohl nicht zu halten sein.

red, salzburg.ORF.at

 

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