Familie abgeschoben - Der bittere Abschied eines Sport-Talentes

„Ich will hier bleiben“, hat Husein noch beim „Krone“-Telefonat unter Tränen gefleht. Nun ist der 13-Jährige in Aserbaidschan. So wie auch seine Mutter und sein Vater. Die Abschiebung der seit 2016 in Salzburg lebenden Familie Saminov ist am Dienstag vollstreckt worden. Früher als geplant: Statt am Abend hob die Maschine bereits vormittags ab. Das Flugzeug landete nach einem Zwischenstopp in Istanbul in der Hauptstadt Baku. Bis zuletzt haben Anwalt Kurt Jelinek und Walter Windischbauer vom Tischtennisverein UTCC Salzburg, für Familie gekämpft.

Das Verhalten der Behörde ist völlig unverständlich und menschenunwürdig. Man hätte den Buben zumindest das Schuljahr fertig machen lassen können.

Anwalt Kurt Jelinek

Im August 2016 erreichte die Familie Österreich, und bat um Asyl. Im September 2017 wies das Asyl-Amt den Antrag ab. Die Eltern erhoben Rechtsmittel. Diese wurden Ende 2021 abgewiesen. Einen Antrag auf Erteilung eines Aufenthaltstitels „in besonders berücksichtigungswürdigen Fällen“ haben die Behörden zuletzt abgelehnt. Es bestehe bei einer Rückkehr keine „reale Gefahr“, befand das Amt. Und: „Aserbaidschan ist ein Land mit vergleichsweiser guter Sicherheitslage und wenig Kriminalität.“ Daher stand am Samstag die Polizei vor der Türe und holte die Familie ab – bis zum Dienstag befanden sich Husein und seine Mutter in Wien in Schubhaft. Nun sind sie weg.

Klambauer: „Kinderrechte werden nicht gewürdigt.“

Die Salzburger Neos haben – wohlgemerkt als einzige politische Partei – noch versucht, in Wien zu intervenieren. Allerdings ohne Erfolg: „Die Abschiebung zeigt eindrücklich, dass Kinderrechte in der Praxis nicht gewürdigt werden“, kritisiert Landesrätin Andrea Klambauer und findet: „Ein humanitäres Bleiberecht wäre in diesem Fall mehr als begründbar.“

 

Familie abgeschoben

Husein und seine Mutter sitzen jetzt im Flugzeug

 

Salzburg hat ein Tischtennis-Nachwuchstalent verloren. Der 13-jährige Husein und seine Mutter sind am Dienstagvormittag in das Flugzeug gestiegen: Der Flug geht über Istanbul nach Aserbaidschan. Wie die „Krone“ berichtet hat, musste die Familie Österreich verlassen, da sie kein Asyl erhalten hatte. Dabei war sie schon bestens integriert. Doch auch Proteste halfen nicht.

„Ich will hier bleiben“, flehte der Bub beim Telefonat mit der „Krone“. Trotz aller Bemühungen durch den Anwalt Kurt Jelinek und den Vize-Vereinsobmann des UTTC Salzburg, Walter Windischbauer, erfolgte die Abschiebung am Dienstagvormittag.

Dabei hatten sich die Salimovs versucht, bestmöglich zu integrieren: Husein besuchte die Mittelschule und galt als großes Tischtennis-Nachwuchstalent. Die Mutter besuchte Deutsch-Kurse und wollte in Zukunft als Lehrerin arbeiten. Dies alles wird der Familie nun verwehrt.

Familie war mehrere Tage in Schubhaft

Am Samstag haben Polizisten Husein und seine Mutter abgeholt und nach Wien gebracht. Seither befand sich die Familie in Schubhaft. Bis zum Dienstagvormittag, als der Flieger gen Aserbaidschan abhob. Jelinek sprach bis zuletzt von einer „menschlich brutal unwürdigen Lösung“. Die Behörden gewährten der Familie kein Asyl, alle weiteren rechtlichen Möglichkeiten gingen ins Leere.

 

Trotz großer Bemühungen: 13-jähriger wurde nach Aserbaidschan abgeschoben

Der 13-jährige Husein Salimov wurde abgeschoben - gemeinsam mit seinen Eltern. Windischbauer: "Unsere Bemühungen waren vergebens."

Husein Salimov gilt als Nachwuchshoffnung im Tischtennis.

Dienstagmittag ist genau das eingetreten, was Walter Windischbauer, Vizepräsident des UTTC Salzburg, seit Samstag mit aller Kraft abzuwenden versucht hat: Der 13-jährige Husein Salimov, den er im Tischtennis betreut hatte, wurde zusammen mit seinen Eltern nach Aserbaidschan abgeschoben.

"Er hat mich vor einer Stunde angerufen und gesagt, dass sie gleich ins Flugzeug einsteigen müssen", sagte Windischbauer am Dienstag kurz vor Mittag. "Mittlerweile müssten sie schon in der Luft sein. Unsere Bemühungen waren vergebens."

Hoffen auf Schülervisum

Samstagmittag ist die Familie in der Asylunterkunft in der Alpenstraße von sechs Polizisten abgeholt und zur Asylbehörde in der Stadt Salzburg gebracht worden, erzählte Windischbauer (die SN berichteten). In der Asylunterkunft habe man ihnen dann den abgelehnten Asylbescheid überreicht und sie gleich nach Wien überstellt.

Windischbauer und der Anwalt der Familie, Kurt Jelinek, hatten seither versucht, die Abschiebung zu verhindern. "Der Parlamentsklub der Grünen und der Salzburger Landesrat Stefan Schnöll haben uns ihre Unterstützung zugesichert."

Windischbauer möchte nun prüfen, ob Husein mithilfe eines Schülervisums nach Salzburg zurückkehren kann.

Asylverfahren ging bereits durch mehrere Instanzen

Zur Vorgeschichte: Im Jahr 2016 stellte Familie Salimov einen Antrag auf internationalen Schutz im Rahmen des Asylgesetzes. Seit 2017 bewohnten Husein und seine Eltern das Quartier der Grundversorgung in der Salzburger Alpenstraße. In diesem Jahr wurde auch der Asylantrag vom Bundesverwaltungsgericht abgelehnt. Dagegen wurde Bescheidbeschwerde eingereicht, diese wurde ebenfalls abgelehnt. Auch eine Erkenntnisbeschwerde beim Bundesverwaltungsgerichtshof wurde abgewiesen. Daraufhin stellte die Familie einen Antrag auf Erteilung eines Aufenthaltstitels "in besonderen berücksichtigungswürdigen Fällen", was eine Art humanitäres Bleiberecht unter bestimmten Voraussetzungen bedeuten würde. Auch das wurde abgelehnt.

 

 

 

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