Männer der Polizei waren offenbar selbst Drogenbosse

Oberösterreichische Kriminalisten sprengten schon vor längerer Zeit einen mutmaßlichen, professionell aufgezogenen Drogenring, der in der Stadt Salzburg einen riesigen Handel mit Cannabis, Kokain und Ecstasy betrieben haben soll. Es geht um zumindest 55 Kilogramm Marihuana und Haschisch sowie große Mengen an Kokain (Straßenverkaufswert: 500.000 Euro). Die Staatsanwaltschaft Linz erhob eine nicht rechtskräftige Anklage gegen acht mutmaßliche Bandenmitglieder: Diese - zwischen 22 und 33 Jahre alt - stammen aus Marokko, Syrien, Bosnien, Rumänien und Russland.

Doch die Anklage offenbart noch weit Brisanteres: Demnach waren mit einem 36-jährigen Kosovaren mit serbischem Pass und einem 47-jährigen Kosovo­Albaner just zwei Männer die Bosse der Organisation, die nachweislich seit 2007 bzw. Mai 2015 als registrierte V-Männer, sogenannte Vertrauenspersonen (VP), für die Salzburger Kriminalpolizei gearbeitet hatten. VP sind Zivilpersonen, die oft selbst aus der kriminellen Szene kommen, diese kennen und vom Staat „je nach Erfolg" entsprechend entlohnt werden: Das heißt, wenn sie als Lockvögel dafür sorgen, dass Personen Drogen besorgen, diese ahnungslos an als verdeckte Ermittler (VE) agierende Polizisten verkaufen (wollen) und dabei verhaftet werden (siehe Tatsache ist, dass nicht nur die beiden bereits einschlägig vorbestraften V-Männer derzeit jeweils wegen umfangreichen Drogenhandels in U-Haft sitzen oder auch schon angeklagt sind. Fakt ist auch, dass gegen ihren Salzburger Führungspolizisten, einen leitenden Drogenermittler des Landeskriminalamts, bei der Staatsanwaltschaft Linz ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Amtsmissbrauchs anhängig ist. Ebenso gegen jenen verdeckten Ermittler des Innenministeriums, der als Käufer bei zahlreichen Drogenscheindeals fungierte, bei denen meist auch der als „VP 749" registrierte 36-jährige Serbe vermittelte.

Die Ermittlungen gegen die Polizisten basieren auf höchst dubiosen Vorgängen bei großen Scheinankäufen in Eugendorf und Wels, die in Prozessen gegen mehrere Angeklagte mündeten. Konkret erstattete Anwalt Kurt Jelinek, Verteidiger mehrerer Angeklagter, die bei vereinbarten Übergaben von angeblich sechs Kilogramm Heroin bzw. von elf Kilogramm Kokain verhaftet wurden, Strafanzeige gegen die Beamten. Er sieht den dringenden Verdacht, dass der Führungspolizist die Lockvogeltätigkeit von einem der zwei V-Männer - nämlich jene des 47-jährigen Albaners ( „VP 1361") - bei mehreren Scheingeschäften „bewusst verheimlichen wollte". Der Führungspolizist habe inzwischen sogar eingeräumt, ,,tatsachenwidrige Polizeiberichte erstellt zu haben. Jelinek erklärt sich den Grund des Verheimlichens des Albaners, der vom Führungspolizisten gegenüber der Staatsanwaltschaft gar als „unbekanntes Mitglied einer Tätergruppe" bezeichnet wurde, so: Durch das Verschweigen dieses V-Mannes sollte das Bekanntwerden einer „naheliegenden unzulässigen Provokation "der später Verhafteten zum Besorgen möglichst großer Drogenmengen verhindert werden. Der Führungspolizist ist nach wie vor im Dienst. Die Polizei äußert sich zu dem Fall nicht.

 

Offenbar pflegten die zwei V-Männer, der Salzburger Polizist und der stets als Scheinkäufer fungierende Ermittler des Innenministeriums, ein sehr persönliches Naheverhältnis zueinander. Laut Jelinek waren sie 2014 auf der Hochzeit von „VP 749", also des 36-jährigen Serben, im Kosovo - ausgelassen feiernd. Schwere Vorwürfe erheben auch Zeugen aus der Szene gegen den nun von der StA Linz als Drogenboss bezeichneten Serben: Seit Jahren schon bestelle dieser von Leuten Drogen, zweige einen Teil davon für sich ab und melde den Rest und die Kuriere dann der Polizei. Ein seit August am Landesgericht laufender Prozess gegen einen 26-jährigenAlbaner, der auf Vermittlung der beiden

V-Männer bei einem Heroinscheinankauf verhaftet wurde, wird morgen, Freitag, fortgesetzt.

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