Polizist zu Straftäter: „Bleib in Slowenien“

„Ich weiß, warum ich hier sitze“, sagt der Ermittler im Landesgericht. Den Vorwurf des Amtsmissbrauches gibt er zu. Er hat einen Kriminellen über dessen Festnahme-Befehl informiert und ihm geraten, in Slowenien zu bleiben. Durch das Geständnis konnte er aber seinen Polizei-Job behalten.

„Kannst du mir helfen“, schrieb der stadtbekannte und 16-fach vorbestrafte Kriminelle am 6. März dem Ermittler, der ausgerechnet für Fahndungen und Festnahmen zuständig war. Der Beamte verriet dem Bosnier, dass eine Festnahmeanordnung gegen ihn bestehe, und riet ihm gleich: „Bleib lieber in Slowenien“. Zudem hat er unerlaubt den Haftbefehl im internen System abgefragt. Damit hat er „Befugnisse wissentlich missbraucht“, so die Staatsanwältin beim Prozess am Donnerstag.

Bewährungs- und Geldstrafe
Tatsächlich kannten sich Ermittler und Verbrecher seit 2017. Weil der Bosnier nach einem Haftausbruch festgenommen wurde. Danach lieferte er Infos aus dem Suchtgift-Milieu an den Ermittler. „Das Letzte, was mein Mandant wollte, ist, den Kriminellen zu schützen“, betonte Verteidiger Kurt Jelinek. Acht Monate bedingte Haft und 960 Euro Geldstrafe entschied der Schöffensenat - das Urteil nahm der bereits suspendierte Polizist an. Es ist wie eine zweite Chance - ein Amtsverlust tritt nämlich nur ab einer zwölfmonatigen Haftstrafe ein.

Übrigens: Der mitangeklagte Bosnier zeigte sich „nicht schuldig“. Gegen ihn und zwei weitere wird – auch wegen anderer Delikte – noch verhandelt.

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